Menschen die im Walde leben (Hans von Gaudecker, in “Der Deutsche Wald”, Ullstein, 1935):
Schweigsam sind die Menschen, deren Arbeitsplatz der Wald ist. Denn Reden im Walde bedeutet Störung. Förster, die dauernd lustige Geschichten erzählen, kommen nur in Witzblättern vor. […]
Wer wirklich im Walde und vom Walde lebt, ist wortkarg. Auch dämpft der Wald das Temperament der Menschen, wie der Forst selbst keine großen Schwankungen liebt: im Sommer ist er kühler, im Winter wärmer als das kahle Feld. Und langsam geht alles im Walde vor sich: das Wachsen und das Vergehen. Der Ausspruch meines neunzigjährigen Großvaters, der drei Menschenalter kommen sah und eineinhalb Waldgenerationen erlebte: “Ich bin zu jung für den Wald!” ist eine Erkenntnis, die nur das Alter und der Wald selbst zu geben vermögen.
Die gemordete Stadt (Wolf Jobst Siedler, Elisabeth Niggemeyer):
Der Baum […] ist – wie vieles Vegetative – konservativen, rückbindenden, religiösen Geschmacks. Selber Sinnbild der Beständigkeit, tendiert er zur Bewahrung des Überlieferten und zur Macht, weshalb denn ironische Zusammenhänge zwischen Förstern, Thron und Altar bestehen; die Figur des anarachistischen Försters ist undenkbar.
Frieden (Hieronymus Lorm, 1821-1902):
Im Wald, im schattenkühlen
bewegt mich süß und still
ein tief beruhigt fühlen,
das nichts erlangen will.Nicht Blüte sproßt den Fichten,
nicht Frucht in ihrer Ruh,
sie wehn für solch Verzichten
mir gleichen Frieden zu.

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